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News

28.08.2012

Frauen in der IT Branche

(Artikel aus spiegel.de vom 21. Juni 2012)

Jobs gibt es genug, doch vor den Rechnern sitzen nur Männer: Programmiererinnen sind rar. Lassen sich Frauen von Zahlenkolonnen und schrägen Kollegen abschrecken? Drei IT-Expertinnen berichten über ihre Erfahrungen in der Nerd-Branche.
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Als Charlotte Vorbeck, 32, den Vertrag für ihre Festanstellung unterschreibt, weiß sie, dass sie knapp vier Monate später in Mutterschutz gehen wird - und dann ein Jahr weg ist. Ihre Chefs wissen es auch. Aber gute Flash-Entwicklerinnen sind rar. Und Vorbeck hat schon bewiesen, dass sie ins Team passt. Als freie Mitarbeiterin hat sie für Wooga das Browserspiel "Monster World" mitprogrammiert. Man kann dort Limonadenbüsche pflanzen, Stachelbälle ernten, die Freunde übertreffen.

Auf solche Spiele hat sich die Berliner Firma Wooga spezialisiert: pflanzen statt ballern, erschaffen statt zerstören. Besonders bei Frauen kommen "Social Games" gut an, rund 70 Prozent der 40 Millionen Wooga-Spieler sind weiblich. Aber nur 26 Prozent der Mitarbeiter sind Frauen. In der Branche steht Wooga damit noch gut da: Einer Umfrage des IT-Verbands Bitkom zufolge sind in Hightech-Unternehmen im Durchschnitt nur 15 Prozent der angestellten Fachkräfte weiblich.

"Wir würden gern mehr Programmiererinnen einstellen, aber es ist schwierig, welche zu finden", sagt Wooga-Sprecherin Sina Kaufmann. Dabei erhält das Berliner Start-up jeden Monat knapp 2000 Bewerbungen. Frauen wollten meist zeichnen, organisieren oder Spiele konzipieren, so Kaufmann. Fürs "Backend", die Systemprogrammierung der Spiele, habe Wooga noch gar keine Frau gefunden.

Auch Charlotte Vorbeck, die im November nach ihrer Elternzeit wieder Vollzeit bei Wooga einsteigt, möchte diesen Job nicht übernehmen: "Ich finde es wichtig, einen grafischen Aspekt bei der Arbeit zu haben, ich empfinde mich eher als Designerin: Wie sieht das Spiel aus, wie fühlt es sich an?" Die Backend-Programmierung sei sehr abstrakt - und für sie zu einseitig. Doch auch Frontend-Jobs begeistern nur wenige Frauen. In den Vorlesungen, die Vorbeck an einer Berliner Technik-Hochschule hält, sitzen meist nur zwei, drei Studentinnen, oft auch gar keine.

Ein Hörsaal voller Männer - in der Informatik ein gewohnter Anblick. Der Studentinnen-Anteil liegt bei knapp 20 Prozent, bei IT-Azubis sogar nur bei zehn Prozent. Anne Schüßler, 31, ist eine dieser Pionierinnen. Sie hat eine Ausbildung zur Fachinformatikerin gemacht, programmiert jetzt Software für 3-D-Scanner in Zahnarztpraxen. Sie liebt ihren Job, aber dass sie kaum Kolleginnen hat, nervt sie langsam: "Es ist nicht so, dass ich mit Männern nicht gut zusammenarbeiten könnte, aber ich würde mich einfach freuen, wenn ich öfter mal eine Programmiererin treffen würde." Auch Charlotte Vorbeck sagt, sie würde sich manchmal in der Mittagspause lieber über Lippenstift als über Hardware unterhalten: "Ich weiß nicht, wo die ganzen Mädels bleiben."

Männer müssen draußen bleiben


Zu schlecht in Mathe, keine Lust auf Nerds, Angst davor, sich zu blamieren - es gibt für Frauen viele Ausreden, einen Bogen um Informatik zu machen. Das Argument der schlechten Noten will Anne Schüßler nicht gelten lassen: "Ich war immer gut in Mathe, aber das ist keine Voraussetzung. Programmieren kann jeder, der strukturiert und logisch denken kann."

"Die Informatik hat ein Imageproblem", sagt auch Vorbeck. Programmierer, das seien für viele immer noch kontaktscheue Männer mit Pizzakartons und langen schwarzen Mänteln: "Architektur ist ebenfalls ein sehr technisches Fach, aber die Architekten verkaufen das einfach besser. Wir hinken total hinterher."

Programmieren könne bunt, kunstvoll und spannend sein - das müsse man vermitteln. "Eine Webseite zu bauen ist zum Beispiel recht einfach, da hat man gleich ein Erfolgserlebnis, die perfekte Einstiegsdroge zum Programmieren", so Schüßler. Sie selbst habe in der Schule aber auch keinen Informatikkurs besucht: "Hat da überhaupt ein Mädchen mitgemacht?"

Darauf hatte auch Anika Lindtner als Schülerin keine Lust. Erst vor zwei Monaten entdeckte die Gender-Studies- und Linguistikstudentin, dass ihr Programmieren Spaß macht. Die "Rails Girls", eine Initiative aus Finnland, hatte zum Workshop in Berlin geladen. Die Idee: Am Wochenende lernen Frauen zusammen die Grundzüge der Programmiersprache Ruby. Und Männer müssen draußen bleiben, die Ruby-Lehrer ausgenommen.

"Der Kurs ist nur für Frauen, das gibt Sicherheit", so Lindtner. "Informatik ist ja eine sehr männerdominierte Szene, da braucht man als Frau viel Mut, allein mitzumachen." Zum Frauenworkshop meldete sie sich aus Neugier an - und war schnell begeistert: "Der Computer macht genau das, was ich ihm gesagt habe. Das habe ich programmiert! Das ist ein tolles Gefühl."

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